Ein Mantel für Nora

10 Aug

Nachdem die Halsband-Geschichte erledigt war, wollten wir anschließend einen Mantel kaufen. Ich wusste damals noch nicht, was ein Mantel war, aber das sollte ich noch früh genug erfahren …
Wir sind wieder in die Geschäfte gegangen, die „alles für den Hund“ haben. Haben sie im Grunde zwar auch, aber eben nicht für Windhunde. – WINDHUNDE SIND ANDERS! In jeder Beziehung und deshalb findet man auch in den Hundegeschäften nichts Passendes für uns.
Frauchen hat mir unzählige Mäntel übergestülpt. Nichts hat gepasst, alles in der Taille viel zu weit, insgesamt zu groß, zu klein oder zu kurz. Auffällig dabei war, dass die Mäntel für kleine Hunde, wie etwa für Yorkshire-Terrier und Chihuahua, ausgesprochen putzig verarbeitet waren, mit Perlen, Webpelz-Besätzen, Applikationen und gaaaanz viel Strass. Allerdings, wer braucht das?! Je größer der Mantel, das heißt, je größer der Hund, desto schmuckloser war das Design. Bei großen Hunden sollten die Mäntel anscheinend nur den Zweck erfüllen.
Schlussendlich, wir fanden nichts! Das war auch gut so, denn ich fand es gar nicht lustig in solch eine Zwangsjacke gesteckt zu werden.

Dann, eines Tages im September, kam Frauchen wieder mit dieser Schlinge und legte sie um meinen Körper: um den Hals, um den Bauch, um die Taille, vom Kopf bis zum Schwanzansatz … So ein Procedere, ich musste permanent still halten. Frauchen hat gesagt, das ist für den Mantel …

 

Windhundmantel maßgeschneidert

 

Ein paar Tage später kam ein Päckchen. Frauchen freut sich wie Bolle, immer wenn ein Päckchen kommt. Dieses Mal war der Inhalt des Päckchens aber für mich. Inzwischen weiß ich auch, was ein Mantel ist. Und ich hasste meinen Mantel. Frauchen jubilierte: „So ein toller Mantel, anthrazitfarbenes Kuschelvlies, mit Rollkragen und passt wie angegossen, maßgeschneidert eben! Sieht sie nicht entzückend aus, unsere kleine Nora-Maus!“

Alle meine Windhundfreunde, die beiden Whippets und die drei Greyhounds, tragen Mäntel und ich weiß nicht, was die so toll daran finden. Und Frauchen zwang mich, nun auch einen zu tragen. Wenn ich diesen Mantel anhatte, konnte ich nicht gehen, ich konnte mich überhaupt nicht mehr bewegen und stand nur so da. Frauchen bettelte, zog ein wenig an der Leine, machte den Klettverschluss lockerer, aber dann verrutschte der Mantel und mit verrutschtem Mantel konnte ich schon überhaupt nicht gehen. Dann nahm sie mir den Mantel ab – „… ist ja eh noch nicht so kalt!“ – und trug ihn mit. Später dann, wenn wir aus der Stadt waren und ich ohne Leine lief, dachte sie, würde ich schon gehen. – Aber ich ging nicht. Leicht genervt legte Frauchen mir die Leine an und zog ein wenig stärker als bisher dran. Mein ohnehin schon langer Hals wurde noch länger. Dann versuchte sie es wieder mit Betteln …

So ging das wochenlang. Zu guter Letzt – nach Wochen und Monaten – der Winter war schon fast vorüber, ging ich doch ein paar Schritte mit meinem Mantel. Half ja nix! Denn ich wollte nicht irgendwann mit so einem langen Hals wie eine Giraffe herumrennen … Und meine Geschäfte machte ich sowieso nicht, wenn ich dieses Teil anhatte, das musste Frauchen mir vorher abnehmen. Dann kriegte ich es wieder angezogen und wir gingen nach Hause. Eines Tages haben wir den Mantel auf dem Weg von der Wohnung zur Garage, das sind ungefähr 300 Meter, verloren. Frauchen hat ihn verloren, weil sie ihn wieder getragen hat und ihn mir erst anziehen wollte, wenn ich meine Geschäfte gemacht hatte. So ein Pech aber auch, jetzt war er weg. Sie hat überall gesucht, ist die Strecke fünfmal abgegangen, hat in der Wohnung und im Auto alles umgekrempelt – wo wir ihn doch auf dem Weg zur Garage verloren haben! Aber glücklicherweise hat sie ihn nicht mehr gefunden. Außerdem kam jetzt der Sommer und wer braucht da schon einen Mantel?!

 
Windhundmantel maßgeschneidert

 

1 Kommentar to “Ein Mantel für Nora”

  1. Doris 12. August 2013 at 17:55 #

    Wow – ein Mantel nach Maß! Dafür hat sich das Stillhalten allemal gelohnt. Schade nur, dass er weg ist…

Kommentar hinterlassen