Blogparade „Vorbild 2016“

27 Feb

Jörg Unkrig, von Unkrig-Personalcoaching, hat mich freundlicherweise eingeladen, an der Blogparade „Vorbild 2016“ teilzunehmen. Ein ausgesprochen interessantes, aber auch sehr komplexes Thema. – Vielen herzlichen Dank für die Einladung!

Im Zuge der Recherchen für meinen Beitrag ist mir eingefallen, dass wir in der Schule, das war Ende der 1970er Jahre, eine Collage zum Thema Vorbilder gemacht haben. In der Hoffnung, die Schulsachen noch auf dem Dachboden zu finden, habe ich über eine Stunde dort in der Kälte zugebracht, allerdings erfolglos. Dieses Thema bietet aber ohnehin so viel Spielraum, dass man einen Roman darüber schreiben könnte. Da ich jedoch nur bedingt zu Übertreibungen neige, habe ich mich auf folgende Ausführung beschränkt:

 

Vorbilder

 

Werte und Normen

Eine Gesellschaft funktioniert, wenn bestimmte Werte gelebt und Normen befolgt werden. Solche Werte sind Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Bodenständigkeit, Courage, Dankbarkeit, Demut, Ehrlichkeit, Friedfertigkeit, Gerechtigkeitssinn, Glaubwürdigkeit, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl, Mut, Nächstenliebe, Respekt, Zuverlässigkeit, und sorgsamer Umgang mit Tieren und der Natur.  – Zuviel des Guten!?! Keineswegs! – Das alles sind vorbildliche Eigenschaften!

Normen sind notwendige Richtlinien und Vorgaben, nach denen das Zusammenleben unterschiedlichster Menschen weitestgehend reibungslos funktioniert.

Seit einiger Zeit jedoch scheinen diese Werte und Normen mehr und mehr abhanden zu kommen. Ausgesprochen auffällig äußert sich dies vor allem in der Politik, im Medien- und Informationsbereich, in der Wirtschaft und längst auch in der Arbeitswelt.
Ausbeutung, Ausgrenzung, Betrug, Bevormundung, Diskriminierung, Gewalt, Korruption, Kriminalität, Mobbing, Respektlosigkeit und Ungerechtigkeit bestimmen das alltägliche Geschehen.

Einerseits bekommen viele Menschen Werte, die unsere Gesellschaft charakterisieren, nicht mehr vermittelt – andererseits werden sie verdrängt durch unermessliche Gier nach Macht, Ruhm, Geld, krankhaften Geltungsdrang oder gefährliche Ideologien. Das lässt Menschen zu skrupellosen Egoisten, ohne Interesse und Anteilnahme an ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt werden.

 

Was sind Vorbilder

Es gibt aber auch Menschen, die oben genannte „vorbildlichen Eigenschaften“ besitzen und diese nicht nur leben, sondern ihr Leben und Wirken in den Dienst der Mitgeschöpfe stellen und durch ihren Mut und ihr Handeln einen bedeutenden Beitrag für die Gesellschaft leisten.
Sie opfern Zeit und Geld oder riskieren Leib und Leben, verfolgen mutig und unerschrocken ein gesetztes Ziel und lassen sich trotz aller Unbilden des Alltags und äußerer Einflüsse nicht beirren oder davon abbringen. – Das ist vorbildlich!
Diese Menschen verfügen über Eigenschaften, die man selbst gern hätte und man bewundert sie, weil sie sich höheren Zielen widmen.

Nun könnte der Eindruck entstehen, Vorbilder seien unerreichbare Übermenschen. – Das sind sie nicht! Auch Vorbilder haben Schwächen und machen Fehler. Und genau deshalb können wir uns mit ihnen identifizieren.
Vorbilder sind Fels in der Brandung, strahlen Sicherheit aus, selbst wenn alles ringsherum hoffnungslos erscheint, weil sie nie ihr Ziel aus den Augen verlieren. Ihre Worte und Taten motivieren und begeistern uns, die eigenen Ziele ebenso beharrlich zu verfolgen.

 

Zeitgeist und Vorbilder

Zu jeder Zeit hatten Menschen Vorbilder, an denen sie sich orientierten und mit der Zeitgeschichte wandelte sich auch das „Bild“ des Vorbildes.
Hatten die Menschen in Zeiten, in denen sie als Leibeigene unterdrückt und ausgebeutet wurden und der Glaube ihr einziger Halt war, in der Hauptsache religiöse Vorbilder, traten an deren Stelle später andere, je nach Epoche, wie etwa politische Persönlichkeiten, soziale Wohltäter, Wissenschaftler, Komponisten oder Schriftsteller. Lange Zeit galt es als vorbildlich, wenn ein männliches Familienmitglied Geistlicher wurde.

 

Idol: Vorbild oder Trugbild

Um Missverständnissen vorzubeugen ist zunächst das Vorbild vom Idol zu unterscheiden.

Das Wort Idol bedeutete früher Götzenbild, Abgott, Trugbild. Heutige Idole sind vielfach schillernde Personen aus der Glamourwelt der Musik-, Schauspiel- und Modelszene, denen übersteigerte Bewunderung entgegengebracht wird, auch oder gerade deshalb, weil sie anders sind als der gemeine Durchschnittsbürger. Tatsächlich leisten die wenigsten von ihnen einen bedeutenden Beitrag für die Gesellschaft, sondern üben lediglich ihr Hobby als Beruf aus.
Sich mit dem Idol zu identifizieren ist gefährlich, wenn der Bewunderer es so sehr verehrt, dass seine eigene Identität verloren geht.

Im Idealfall löst sich der junge Mensch von den Idolen, wenn er seinen Weg gefunden hat und mit sich, seiner Berufswahl und seinem Lebensmodell zufrieden ist. Der eine früher, der andere später! – Vorbilder jedoch können ihn lebenslang begleiten.

 

Erste Vorbilder

Die ersten Vorbilder sind die Eltern, sie prägen den jungen Menschen bereits im Kindesalter und sind entscheidend für die weitere Entwicklung. Das Kind ahmt unbewusst seine unmittelbaren Bezugspersonen nach. Durch ihre Vorbildfunktion können Eltern ihr Kind in entsprechende Bahnen lenken und ihm bestimmte Werte vermitteln. Stabilität und Geborgenheit im Elternhaus, Stärkung des Selbstbewusstseins und Förderung seiner Talente verhindern in der Regel, dass das Kind sich anderen Leitfiguren zuwendet, die ihm möglicherweise schaden.
Je nach Lebensphase, Alter und Situation begeistert man sich für entsprechend unterschiedliche Vorbilder.

 

Suche nach dem Vorbild

Wer ein Vorbild „sucht“, wird es nicht finden. Er wird, wenn Zeit und Umstand zusammentreffen, darauf aufmerksam.

 

Vorbilder sind überall!

Tagtäglich trifft man sie: in der Familie, im Freundes- und Kollegenkreis, im Straßenverkehr, beim Einkaufen ….

Manche sind unscheinbar, so dass man sie erst auf den zweiten Blick erkennt, einige sind schillernde, alles überragende Lichtgestalten. Aber immer verfügen sie über Eigenschaften, die das zwischenmenschliche Zusammenleben erleichtern und bereichern.
Dabei ist es nicht zwingend notwendig, dasselbe tun oder leisten zu wollen wie das Vorbild. Entscheidend ist die Motivation, etwas zu tun, mutig zu sein, und die Überzeugung, dass das, wofür man steht und sich einsetzt, man auch bewerkstelligen kann.

Ich kann mich nicht erinnern, welches oder ob ich in meiner Jugend überhaupt ein Vorbild hatte. Ich weiß auch nicht mehr, ob ich mir an irgendjemandem ein Beispiel genommen habe. Ich kann mir auch nicht vorstellen, selbst ein gutes Vorbild zu sein. Nichtsdestotrotz bin ich überzeugt, dass jeder – bewusst oder unbewusst – ein Vorbild hatte und hat und teilweise selbst, wenn auch nicht gewollt, eines ist.

 

Meine Vorbilder

Heute sind mir meine Vorbilder bewusst und ich unterscheide zwei Gruppen:

Da gibt es die „großen“ Vorbilder, die ich nie kennenlernen werde, weil sie entweder schon gestorben oder sonst unerreichbar für mich sind. Diejenigen, die die Welt verändert haben, zum Guten, unter Einsatz ihrer Sicherheit, Gesundheit, ihrer Existenz und ihres Lebens. Die sich ihr Ziel unter Selbstaufgabe zur Lebensaufgabe gemacht haben. Die sich Widerständen mutig entgegengesetzt haben. Von deren Zielen wir heute profitieren und deren Errungenschaften uns ein angenehmes Leben ermöglichen: Frauenrechte, Frieden, Technik, Medizin, Kunst, Musik, Tierschutz, Umweltschutz, um nur ein paar zu nennen.

Ich liebe Tiere und die Natur und sehe gleichzeitig, wie grausam und respektlos weltweit damit umgegangen wird. Menschen, die sich dafür einsetzen, haben eine kleine Lobby und dennoch gehen sie unermüdlich ihren Weg, um das, was von der Tier- und Umwelt noch übrig geblieben ist, für uns und unsere Nachwelt zu retten. Diese Wenigen haben durch ihren Mut erreicht, dass viele Grausamkeiten heute durch Gesetze verhindert werden können, aber bei weitem nicht überall.
Der Kampf gleicht dem, des „David gegen Goliath“. Sie haben Politik, Wirtschaft, Industrie als Gegner. Unermüdlich jedoch kämpfen sie weiter – vielfach gegen Windmühlen –, lassen sich nicht davon beirren oder abbringen. – Diese Menschen sind Vorbilder für mich, weil sie die Welt verändern und verbessern und zu allerletzt an sich selbst denken!

Dann sind da noch die „kleinen“ Vorbilder, die uns überall und jederzeit begegnen können. Ich treffe sie sehr oft im Alltag an. Zeitlebens war und ist Ungeduld eine meiner schlechten Eigenschaften und sucht mich immer wieder heim. Sie ist unbequem, peinlich und ich verabscheue sie, und vor allem dann, wenn jemand, dem ich ungeduldig und unfreundlich begegne, meine Ungeduld mit Freundlichkeit erwidert. – Diese Person ist für mich ein Vorbild!

 

… für eine bessere Welt

Auch wenn man seine Ziele erreicht hat und glaubt, keine Vorbilder mehr zu brauchen oder scheinbar zu alt ist dafür, schadet es nicht, Augen und Ohren nach ihnen offen zu halten …

Wer seinen „großen“ Vorbildern folgt, deren Werke mit seinen eigenen Möglichkeiten ergänzt, und die „kleinen“ Vorbilder im Alltag erkennt und als Bereicherung in seinem Leben dankbar annimmt, wer die Werte lebt und weitergibt, und seine eigenen Ziele, die die Welt ein wenig besser machen, nicht aus den Augen verliert, ist selbst unbewusst ein Vorbild für andere!

 

 

 

 

 

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