Bittere Medizin

19 Mrz

Hier bin ich wieder, eure Nora. Letztes Mal hatte ich euch von meiner Niereninsuffizienz erzählt. Meine vielen Medikamente, die Frauchen jeden Tag ins Futter mogelt, brauche ich wegen meiner Krankheiten. Neben der Niereninsuffizienz hatte ich auch noch Leishmaniose und einen Herzwurm, letzterer wurde aber bereits im spanischen Tierheim erfolgreich behandelt. Die Niereninsuffizienz kann man nicht behandeln, sie ist ein chronisches Nierenversagen, das sich über Monate oder Jahre hinweg zieht, bis es nicht mehr geht. Die Leishmaniose wurde zwar getestet, allerdings waren die Werte „im grünen Bereich“, so dass man diese Krankheit eigentlich ausschließen konnte. Diese Infektionskrankheit, welche durch die Sandmücke übertragen wird und im gesamten Mittelmeerraum, in Afrika und Asien weit verbreitet ist, hat allerdings ihre Tücken. Man sitzt eigentlich immer „auf einem Pulverfass“, wenn man den Infekt bereits in sich hat.

Und an einem wunderschönen Tag mit meinen beiden Leuten ist die Leishmaniose bei mir ausgebrochen und war fast mein Todesurteil. Aber das erzähle ich euch ein andermal.
Auf jeden Fall muss ich eine Menge Medikamente nehmen, wie ihr sehen könnt. Normalerweise schmeckt das Zeug scheußlich, aber Frauchen schummelt immer so geschickt, so dass ich meist nicht bemerke, wenn ich es zu mir nehme.

Windhundrassen

Wie ihr wisst, bin ich ein spanischer Windhund, ein Galgo (Jungs) bzw. eine Galga (Mädchen). Es gibt noch viele andere Windhunde, wie etwa Greyhounds, Barsois, Salukis, Chart Polskis, Irish Wolfhounds, Whippets, Azawakhs, Afghanen. Und dann gibt es noch das Italienische Windspiel, die kleinste Windhundrasse. Diese Hunde waren die Lieblinge Friedrichs des Großen. Als er auf dem Sterbebett lag und sah, dass ein Hund, der an seinem Bette wachte, fror, wies er die Bediensteten an: „Deckt mir die Hunde gut zu!“ – Meine Leute decken mich auch immer gut zu. Hierfür steht eine riesige Auswahl kuscheliger Decken zur Verfügung.

Spanische Windhunde

Ich komme auch tatsächlich aus Spanien, aber das ist meist keine schöne Sache, wenn man als Galgo aus Spanien kommt. All meine Krankheiten sind „Mitbringsel“ aus diesem Land, das heißt, ein Resultat davon, wie dort die Tiere von den Menschen behandelt werden. Das weiß ja eigentlich jeder, dass wir Tiere in Spanien die Hölle haben. Die Urlauber fahren sogar jedes Jahr dort hin und sehen das Elend. Aber keiner tut etwas!

Nur ein paar liebe Menschen, wie Herrchen und Frauchen, die solch arme und kranke Hunde wie mich aufnehmen. Und die paar Menschen in Spanien, die mit den Tiernothilfe-Organisationen zusammenarbeiten, die sich unser in solchen Ländern annehmen und uns von dort wegholen. Da sind aber noch die Stiere, die in den Arenen zu Tode gequält werden oder die Wildpferde, die mit Pflöcken an der Fortbewegung gehindert werden … oder oder oder …

Wir Galgos also, werden meist für eine Saison zur Hasen-Jagd „verwendet“, um anschließend „entsorgt“ zu werden. Wir wären die übrige Zeit im Jahr ein Kostenfaktor, deshalb trennt man sich nach der Jagdsaison von uns, um im nächsten Jahr wieder neue Hunde zu nehmen. Aber was mit uns passiert, das sage ich hier lieber nicht, das könnt ihr alles googeln (www.google.de  Tierquälerei in Spanien, Galgos in Spanien).

Frauchen sagt, eigentlich müsste jedes Land der EU einheitlichen Gesetzen, neben Steuer- und vielen anderen Gesetzen, vor allem einem einheitlichen Tierschutzgesetz, unterworfen werden. Dann würde es uns Tieren in den südlichen und osteuropäischen Ländern besser gehen. Aber bis dahin ist leider noch ein langer, weiter Weg.

 

„Je mehr ich von Menschen sehe,
umso lieber habe ich meinen Hund.“

Friedrich II., der Große

 

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